Wohlstandstopf managen

Herbert Artikel

Ideologische Kontroversen spitzen sich oft auf die Frage zu, wie weit ein öffentlicher Sektor den Wohlfahrtstopf managen soll. Manche beurteilen sogar die Adäquatheit einer ökonomischen Theorie oder deren Modelle danach.

unser-by-karl-artmann-2012-211705Ein Kochtopf

Einen Kochtopf managen, heißt Rohstoffe und Zutaten auswählen und nach einem Rezept und unter Aufbietung der besten Kochkenntnisse in ein wohlschmeckendes, nahrhaftes und gesundes Gericht zu verwandeln.

Der Wohlstandstopf ist der Kochtopf einer Gesamtökonomie.

Der verknüpfende Staat

Eine wichtige Aufgabe von Staat ist das Zusammenknüpfen loser Fäden. Ohne Staat hörten Straßen, Schienen oder Kabel an Dorfgrenzen auf. Ohne Staat wäre Bildung von Dorfschulen organisiert, Gesundheit von Dorfspitälern, Sicherheit von Dorfwächtern. Der Staat sorgt für Hard- und Soft-Infrastruktur.

Der auftrennende Staat

Zur Krisenbewältigung muss der Staat versuchen, verworrene Strukturen wieder zu entflechten und neu zu ordnen. Die Instrumentarien findet er in der Geldpolitik, Konjunkturpolitik und Arbeitsmarktpolitik. Bei diesem Staatsziel starten die Diskussionen.

Der steuernde Staat

Besser als Krisen zu reparieren, ist es, ein System zu entwickeln, welches unter Stress stärker werden kann. Aber wir wissen, wie schwierig es ist, ein komplexes  System zu steuern.

Der Staat als Managerin

Im komplizierten Zusammenspiel von Einzel- und Gesamtinteressen muss der Staat eine positive Entwicklung managen. Dazu zählt er einmal zum BIP alles zusammen, was in seinem Territorium erlöst wurde, wie sich das verteilt und was daraus wurde. Er möchte, dass das BIP wächst. Er stellt Infrastruktur, Werkzeuge und Mittel bereit, welche eine langfristige, qualitätsvolle, ertragsreiche Güterproduktion stimulieren, deren Erlöse möglichst fair verteilt werden können. Dabei soll sich die Bevölkerung wohl fühlen.

Wohlstandstopf managen

Der Staat richtet dabei den Fokus auf die inneren Werte. Es zielt darauf, die Einkommens- und Wohlfühlsituation der Akteure und Empfänger zu verbessern.

Wie schwierig es ist, zeigt die kleine Geschichte: Das verlorene Paradies 

Der macht eine Einnahmen/Ausgabenrechnung. Und er erstellt eine Vorschau dazu. Die größten Posten bei Einnahmen sind Steuern und Sozialbeiträge. Ausgaben werden nach Aufgabengebieten und Art gegliedert. In beiden Betrachtungsweisen bildet Soziales einen bedeutenden Posten. Dazu Gesundheit, Bildung …

Berechnungsgrundlagen für Einnahmen werden nach unterschiedlichen Überzeugungen getroffen. Ob Sozialbeiträge eher nach einem Steuer- oder Versicherungsprinzip berechnet werden sollen, zum Beispiel.

Bei den Ausgaben wird der Eigenverbrauch zum Meinungsspalter. Die öffentliche Verwaltung wird zum Platzhalter für fundamentale Diskussionen über mehr oder weniger Staat. Ja, selbst ökonomische Theorien werden Opfer pointierter Überzeugungen dazu. Dabei ist Verwaltung selbst vielgestaltig. Sie trägt ein organisatorisches, materielles und behördliches Gesicht.

Die Staatsziele: Infrastruktur, Krisenbewältigung und Steuerung reichen nicht. Staaten benötigen Strukturprinzipien: Demokratieprinzip, Sozialstaatsprinzip, Rechtsstaatlichkeit, Verwaltungsprinzip, Kulturstaatlichkeit, Bildungsprinzip, Ökologieprinzip. Und nicht zu vergessen: das Wirtschaftsprinzip und das Arbeitsprinzip.

Wenn es gelänge, die Zusammenhänge zu modellieren, könnte Simulation, mit Strukturszenarien, helfen bessere Managmenet-Entscheidungen zu treffen und die Steuerung adaptiv zu gestalten.  Ein progressives Steuersystem, welches, statt in Tabellen, in Formeln abgebildet wäre zum Beispiel, repräsentierte berechenbares Steuerwissen.

Politische Pfadsuche

Das Management des Wohlstandstopfes liefert den Befund über die Eignung der Staatsziele und Strukturprinzipien. Es muss den Staat als dynamisches System begreifen, realitätsnahe und reaktiv sein. Eine Quantifizierung der wichtigsten Systemkomponenten könnte Politik und Verwaltung helfen, die Aufgaben mit geringem Eigenverbrauch zu bewältigen.

Im nächsten Artikel wende ich mich einer anderen Steuerungselement zu – der Direkten Demokratie