Wall Street gegen Main Street

Herbert Artikel

In die Welt der Optionen habe ich erstmals Spiel und Spielregeln ins Spiel gebracht.

Optionen und Futures

Spiel und Spielregeln? Ökonomie hat mit Spielen mehr zu tun, als viele denken. Faires Spiel suggeriert eine faire Gewinnchance.

Optionen beschreiben das Recht und Futures die Pflicht, ein Primärgut zu einer bestimmten Zeit zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Optionen und Futures sind Sekundärgüter (Derivate). Der Preis (und das Risikospektrum) von Derivaten sind abhängig von der Entwicklung von Primärgütern.

Derivate haben einen schlechten Ruf. Nicht immer zu recht.

Die Chilifabrik. Ich habe beschönigt. Wahrscheinlich gewährt keine Bank dem Chilifabrikanten einen Kredit. Das Investitionsprojekt ist zu unsicher. Wie soll er aber das Investitionsprojekt sonst finanzieren? Gäbe es dafür eine Infrastruktur und Services, könnte er Futures verkaufen und Optionen kaufen: Er legt Futures zum Preis von 10 in bunten Scheinen auf und verpflichtet jeden Inhaber eines Futures 1 Einheit Chili, allerdings mit einem Nachlass von 30% des später fest gelegten Preises, zu kaufen (angepeilt sind 50 pro Einheit). Und er geht eine Option mit einem der ostasiatischen Züchter auf maximal 5.000 Einheiten zum Preis von je 30 ein. Der Optionspreis dafür beträgt 1 pro Einheit.

Was ist dadurch gewonnen? Die Anzahl der verkauften Futures sagte dem Chilifabrikanten etwas über den Absatz und verringert gleichzeitig sein Investitionsrisiko. Die verkauften Futures verhelfen ihm vielleicht sogar dazu eine Prognose abzugeben, welche die Bank überzeugt, den Rest zu investieren.

Nehmen wir vereinfachend an, Zukauf und Produktion können zu gleichen Kosten erfolgen und der Preis fiele nicht unter den Zukaufspreis. Verkauft er über 3000 Futures zur ersten Ernte, wird er die Investition durchzuführen und selbst produzieren. Verkauft er nur 500, wird er die 500 Einheiten einmal zukaufen und aufgeben. Im Graubereich dazwischen kann der Chilifabrikant entscheiden ob er als Wiederverkäufer aufzutreten und die Investition verschieben will bis er mehr Entscheidungsgrundlagen hat, oder ob er aufgibt.

Das alles existiert im Großen. An den Rohstoffbörsen, welche als Handels- und Clearinghäuser den Austausch von Abertonnen von Getreide und Mehl organisieren. Dabei wird nicht Risiko gemanagt. Die Transaktionen dienen der Finanzierung großer Investitionsprojekte für Rohstoffe.

Im Buch habe ich noch die Frage aufgeworfen: kann es Derivategeld geben? Es geht einfach um die Innovationen der Wall Street. Die in der Main Street zu wenig genutzt werden. Andererseits benutzt die Wall Street Instrumente auch um Risiken zu verstecken und vergisst Risiken einzupreisen. Im Buch habe ich dazu noch einen Ausflug in das Zusammenspiel von Hedgern und Spekulanten gemacht. Und anhand eines Swap erklärt.

Demnächst werde ich das Wesen einer Immobilienkrise mit fatalen Folgen beleuchten…