Portfolio-Theorie

Herbert Ausflüge

Der Chilifabrikant trommelt seine neun wichtigsten Mitarbeiter zusammen und weiht sie ein: wir stehen mit dem Unternehmen nicht besonders gut da, aber ich habe zwei neue Chilisorten entdeckt. Eine höllenscharfe aus der Karibik, welche uns, laut einer schnellen Marktanalyse, einen Verkaufserlös in der Bandbreite von 20 und 180 verspricht und eine fruchtig-milde aus Afrika mit einer prognostizierten Verkaufsbandbreite von 90 und 110 bei einem Einsatz von 100 in beiden Fällen. Erhöht sich der Einsatz, erhöhen sich die Bandbreiten entsprechend. Bei 100.000 auf 20.000 und 180.000 oder 90.000 und 110.000.

Ich möchte, dass ihr euch zu gleichen Teilen beteiligt und festlegt, in welches Produkt und in welcher Höhe wir investieren sollen. Falls wir mehr als 100.000 verlieren, sind wir bankrott. Wir verlieren das Unternehmen und deshalb alle unsere Einsätze. Der maximale Einsatz beträgt 200.000. Wenn das Unternehmen am Leben bleibt, erfolgen die Auszahlungen individuell nach dem Gewinn oder Verlust des Produktes, auf welches der Einsatz erfolgte.

Was geschieht?

Die Diskussion beginnt und, nicht überraschend, überzeugt ein risikobereiter Mitarbeiter die acht anderen, je 20.000 auf die Karibik-Chili einzusetzen. Mit dem Argument: wenn alle so setzen, können wir am oberen Ende, bei einem Erlös von 380.000, jeweils 16.000 gewinnen oder 20.000 verlieren, wenn der Erlös nicht mindestens 100.000 (40.000 Minimum) beträgt. Die Verlockung ist einfach zu groß.

Eine Mitarbeiterin erwartet, dass der Erlös mit der Karibik-Chili 90.000 nicht übersteigen wird. Was soll sie tun? Setzte sie auf Afrika, verlöre sie alles, falls sie Recht hätte. Ausschließlich wenn sie auf Karibik setzte und sich irrte, bekäme sie etwas zurück.

Selbstverständlich wären viel klügere Entscheidungen möglich gewesen. Und als Einzelpersonen sind Menschen auch dem Risiko abgeneigt. Aber in der Gruppe wurden sie gewinngierig.

Nüchtern betrachtet steigt das Risiko mit der Schwankungsbreite (Volatilität) und es ist einsichtig, dass ein Portfolio mit Afrika-Chilis das Risiko gemindert hätte. Und es hätte zumindest der Bankrott vermieden werden müssen.

Die Theorie der Risiko-Minderung durch Diversifizierung in der Finanz stammt von Harry Markowitz. Sie heißt kurz Portfolio-Theorie. Sehr vereinfacht betrachtet, gewichtet sie Erträge mit dem Risiko. Entscheidungen werden nach der Risikotoleranz getroffen. Gesucht ist ein Portfolio, welches zu einem Risikoprofil den höchsten Ertrag liefert. Oder umgekehrt, zu einem gewünschten Ertrag das geringste Risiko. Das geschieht üblicher Weise durch Diversifizierung der Einzelpositionen. Deshalb heißt sie auch Theorie der Diversifizierung.

In komplexeren Portfolios spielt die Abhängigkeit der Instrumente voneinander eine zentrale Rolle. Und die kann sich mit der Zeit ändern. Das hat der Portfoliotheorie einige (berechtigte) Kritik eingebracht,