Marxismus 2.0 oder Neue Linke?

Herbert Artikel

Karl Marx war genial. Er verknüpfte Ideen anderer zu etwas völlig Neuem. Die Mehrwerttheorie zum Beispiel (von Ricardo und Smith).

Marx‘ Mehrwerttheorie

Marx stellte Beziehungen zwischen Eigentum, Arbeit und Gesellschaft her und brachte sie auf die einfache Formel: aus Geld wird Ware und daraus mehr Geld. Marx verstand Geld als versteckten Motor der Vermehrung über die Produktion (Arbeit). Durch Ausbeutung. G-W-G. Marx hat diesen als Gestaltwandel der Ware beschrieben. Und die Gefahr des Abbrechens der Kette durch Geldakkumulation betont. Marx konzentrierte sich auf die Prozessoren (Maschinen und Arbeit) und deren Verwendung durch privilegierte „Programme“ (Kapitalisten).

Was Marx nicht wissen konnte

Geld kommt aus dem Nichts. Entscheidend ist seine Verwendung. Der Grad der Ausbeutung hängt davon ab, ob der Preis einer Ware von den Kosten abgeleitet wird oder die Kosten vom Preis. Unsere Lachszüchterin kauft Geld, wenn sie eine Idee, aber kein Geld hat. Sie verkauft es wieder, wenn sie Geld hat, aber keine Idee. Geld wird Ware. Marx sah die Überlegenheit des Geldbesitzers durchaus. Käufer haben Zeit.  Aber programmierbares Geld?

Marx konnte auch nicht voraussehen, dass Arbeitskostenanteile immer geringer werden. Und dass Eigentum und Verfügungsrechte komplizierter werden. Und schon gar nicht, dass Preise häufig unerklärliche Bocksprünge vollführen. Durch diese Faktoren gerät die gesamte Mehrwerttheorie ins Wanken.

Was schließen viele Linke daraus?

Die Mehrwerttheorie des Geldes (G-G-G) führt zu weiterer Ausbeutung: Die Geldschöpfung müsse deshalb demokratisiert – und viele Linke meinen damit zentralisiert – werden?!

Ein Link zu Long Buyer und Short Seller

Marx konnte die Globalisierung in der heutigen Form nicht voraussehen. Arbeitsarbitrage sei eine neue Form der Ausbeutung, sagen viele Linke. Es sei notwendig, der Arbeitsarbitrage zu begegnen und die eigenen Arbeiter zu schützen.

Und so hätten wir beides beisammen: die Macht des Geldes und die Macht des Marktes. Die Profitlogik der Märkte zerstörte alles, meinen sie. Dagegen helfe nur Zentralisierung, Regulierung und Planung.

Marxismus 2.0?

Können Maßnahmen gegen die Auswüchse der Industriellen Revolution einfach in die heutigen Konzepte von Geld, Dingen, Produktion, Information eingebettet werde? Durch Zentralisierung von Politik? Wenn andererseits der Kapitalismus die Grenzen der Kapitalakkumulation sprengen möchte, indem sich seine Einheiten zusammen schließen, zentralisieren und gemeinsam planen?

Ein Ausflug in: Wenn Regulatoren zentralisieren empfohlen

Soll Regulierung ökonomische Macht und Kapital konzentrieren und Märkte verzerren?

Märkte sind von Parteilichkeit und Einflussnahme überlagert. Sie werden gekapert. Für reiche Beute. Wenn wir das anerkennen, sehen wir sofort, dass die Linke nicht den freien Markt, sondern den Kapitalismus bekämpfen muss. Marxismus 2.0 jedenfalls böte keine Grundlage dafür. Ökonomien sind komplexe Systeme und komplexe Systeme können nicht zentralisiert und geplant werden.

Eine Mehrwerttheorie für Alle?

Wir wissen heute, dass die Beziehungen zwischen Waren und Geld komplexer sind als GWG-Ketten. Besitzer sitzen am längsten Ast. Alle könnten an Mehrwertprozessen teilhaben, wenn sie an der Produktionsinfrastruktur, an den Erträgen und den Unternehmen in angemessener Weise beteiligt würden.

Eine Neue Linke

fördert eine Politik, die Werte durch direkten Zugriff auf Lösungen generiert, die erst durch Bildung zur vollen Entfaltung gelangen. Mittels Systemtransparenz und mehrschichtiger Beteiligung.

Politische Pfadsuche

Die Krisen, welche durch Akkumulation und ökonomische Zentralisierung verursacht werden, können keinesfalls durch Zentralisierung bekämpft werden. Eine Evolutionäre Linke muss sich vom Marxismus verabschieden und die dezentralen Systeme auf demokratischem Wege dazu bringen, mehr zusammen zu legen, zu teilen und zu verteilen.

Dieser Beitrag beschreibt einen Scheideweg. Gegenüber dem Buch habe ich ihn stark verkürzt. Im nächsten Artikel: Schlüssel zur Innovation