Geld ist programmierbar

Herbert Artikel

Speicher für Werte, Medium für den Austausch und Zählwerk. Das beschreibt ein universelles System. Also ist das Geldsystem programmierbar.

Programmieren ist schwierig

Programmieren benötigt ein Betriebssystem

unser-by-karl-artmann-2013-204556Dienste, wie wir sie von Betriebssystemen kennen, würden helfen, die Komplexität vernetzter ökonomischer Transaktionen zu meistern. Aber, Programmieren hieße: Geld in einer Gesamtökonomie nach Regeln zu erzeugen und wieder einzusammeln. Es entsprechend seiner unterschiedlichen Bedeutungen (Einkommen, Vermögen, Steuern, risikoneutrale Zinsen, Inflation, Transferzahlungen, …) zu speichern, umzuformen, wieder zu speichern und so fort.

Die pointiert negativen Kritiken des Geldsystems konzentrieren sich auf dessen Speicherfunktion

Es ist auch kaum förderlich, wenn Speicherplätze von einigen Teilnehmern dauerhaft fix besetzt werden und wenn diese sich auch noch Prioritäten bei den Transformationen sichern könnten.

Spielregeln für ein faires Spiel

Würde das Geldsystem programmiert und organisierte ein einfaches Betriebssystem ein dynamisches Speichermanagement, eine reibungsfreie Organisation der ökonomischen Transaktionen und die Abbildung von Spielregeln in einer Programmsprache, wäre der Computer ein großartiges Modell.

Im Buch habe ich an dieser Stelle beschrieben, wie Programme zu leistungsfähigen Spielern werden indem sie das interne Bedauern über schlechte Züge minimieren (Minimal Regret Algorithms).

Ein Ziel von Spielregeln für ein faires Spiel wäre: das externe Bedauern zu minimieren. Das Bedauern von Krisen, Blasen, Schuldenfallen, Kreditklemmen, Monopolen. Ökonomische Akteure könnten sich dann auf die Minimierung des internen Bedauerns konzentrieren.

Finanzmärkte, welche auf der Grundlage des Geldsystems spielten, unterschieden sich durch die Laufzeiten und den Zweck ihrer Instrumente: Liquidität, Kapital zur Finanzierung ökonomischer Transaktionen und Währung.

Was wäre, wenn Teilnehmer mehrere Rollen einnehmen dürften? Ich habe einen Weg skizziert, wie der Chilifabrikant die Barrieren der Finanzierung eines Investitionsprojektes mittels Futures und Optionen abbauen könnte. Dürfte die Lachszüchterin Geld verleihen, wäre sie eine weitere Quelle zur Schöpfung von Geld.

Das könnte helfen, mehr Einkommen zu generieren und Spielregeln sowie eine Faire Ökonomie zu spielen.

Politische Pfadsuche

Ein ökonomisches Regelwerk kann helfen, eine sich nach oben drehende Spirale von Einkommen und Vermögen zu organisieren. Es kann aber auch Krisen befeuern. Das nährt die Vermutung, dass eine Gesamtökonomie das systemische Risiko optimieren kann – so wie ein Unternehmen das Marktrisiko einer Geschäftseinheit optimieren kann. Voraussetzung dafür ist: Minimierung des externen Bedauerns für alle Teilnehmer. Es spricht vieles dafür, dass das Geldsystem dafür eine ausgezeichnete Basis darstellt. Seine Programmierung vorausgesetzt. Ein faires ökonomisches Spiel beeinflusst natürlich auch Arbeit positiv.

Politik benötigt generalisiertes Wissen zu Programmierung und der evolutionären Spieltheorie.

Demnächst werde ich mich mit dem Modellieren realer Verhalten beschäftigen.