Geld aus dem Nichts

Herbert Artikel

Wenn eine Bank Geld verleiht, schöpft sie Geld aus dem Nichts. Dieses Geld kann in den Umlauf gebracht werden. Oder in einen Tresor gesteckt.

Banken und Zentralbanken

Nehmen wir an die Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkelin der Fischerin, Eigentümerin und Managerin einer Lachzucht, möchte sich ein grellgelbes Cabrio kaufen. Sie leiht sich dafür bei der Bank 50.000 geht zum Autohändler, steckt die Kreditkarte in das Gerät, unterschreibt, setzt sich ins Auto und fährt los.

Was geschahunser-by-karl-artmann-2012-202848? Der Autohändler hat die 50.000 und kauft damit ein, zahlt Löhne, Mieten. In den Büchern der Bank steht jetzt unter Forderungen (Assets): „50.000 Lachszüchterin“, und unter Verpflichtungen (Liabilities): „50.000 Autohaus“. Die Bank übernimmt die Verpflichtung der Lachszüchterin, die Rechnung des Cabrios zu begleichen.

Wenn nun die Bank der Lachszüchterin in Wien residiert und der Autohändler arbeitet mit einer Bank in Mailand, hat die Wienbank eine Verpflichtung von 50.000 bei der Mailandbank und eine Forderung von 50.000 an die Lachszüchterin und die Mailandbank hat eine Forderung von 50.000 an die Wienbank und eine Verpflichtung von 50.000 beim Autohändler.

Das führt zu verwobenen Geldgeschäften zwischen und mit Banken. Es ist deshalb naheliegend, dass diese von einem zentralen Clearinghaus unterstützt werden. Zentralbanken entstanden

Die Zentralbank ist auch für die Geldpolitik verantwortlich – für die Steuerung  jener Geldmenge, die nicht nur in den Büchern steht gibt es eine Gleichung: Bruttoinlandsprodukt multipliziert mit Inflation ist gleich der Geldmenge multipliziert mit der Umschlagshäufigkeit. Schon diese Gleichung zeigt, dass die Geldmenge rasant wachsen muss, wenn das Geld zunehmend still steht, das heisst in der Tiefkühltruhe landet. Und dass die Inflation zu steigen droht, wenn zu viel Geld auf zu knappe Güter trifft.

Das ist aber bei nicht-materiellen Gütern nicht der Fall und im „konzeptuellen“ Zeitalter mit smarten, verbundenen Produkten wird die Beziehung viel komplizierter. Auf dieser Grundlage kam mir erstmals die Idee, dass das Geldsystem programmiert werden müsste. Davon später.

Geld ist ein Symbol von Schuld

Geld ist ein Symbol für Kredite und Schulden, sowie Forderungen und Verpflichtungen. Und das ist seit 5000 Jahren so – schon die Sumerer bunkerten die in Ton gegossenen Standard Schuldverträge zentral.

Was ist also so anders mit dem Geld? Ich kann doch nur ausleihen, was ich habe?

Geld ist kein Ding, kein Stück Ton, Gold oder Papier, es ist ein Vertrag. Wir benutzen eine Bankschuld als Geld und halten damit die Ökonomie in Schwung.
Verträge werden aus dem Nichts geschaffen, also wird Geld aus dem Nichts geschaffen. Das führt auch nicht zu einer schiefen Bilanz, denn wenn der Austausch erfolgt ist, die Schuld getilgt wurde, ist das Geld wieder verschwunden.