Funktionale Politik

Herbert Hintergrund

Seit ich am Schnittpunkt von Mathematik und Informatik arbeite, beschäftige ich mich mit domänen-spezifischen Programmiersprachen. Sprachen für Design, die Steuerung von diskreten Fertigungs- und Fliessprozessen, Systemmodellierung…und zuletzt Finanzinstrumente. Manche davon haben wir selbst entwickelt – zB die UnRisk Financial Language. In quantitativen Domänen sind diese Sprachen oft Erweiterungen der Sprache der Mathematik. Einer funktionalen, symbolischen Sprache.

Diese Sprachen müssen reales, oft gewünschtes, Verhalten so präzise beschreiben, dass ihre Konstrukte von Computerprogrammen interpretiert werden können. Im Gegensatz dazu, werden Beschreibungen in der natürlichen Sprache von Menschen interpretiert. Meist uneindeutig.

Neue Sprachen

Computersprachen (Programmiersprachen) müssen präzise und weitgehend vollständig und völlig widerspruchsfrei sein. Traditionelle Computerprachen sprechen nicht über Verhalten, sondern über das Einsetzen von Werten in Variable und das Aufrufen abstrakter Funktionen. Es ist aufregend, eine Brücke zwischen der Präzision von Computersprachen und realem Verhalten zu schlagen. Dazu muss die Sprache symbolisch…sein und möglichst viel Wissen in sich tragen. Und sie muss das konstruieren höherer Objekte und Beziehungen unterstützen. Quantitative Sprachen müssen berücksichtigen, dass reales Verhalten oft in einer Kaskade von Funktionen, Aufgaben und Arbeitsflüssen geschieht, die sich über die Zeit ändern.

Wolfram Language

Wolfram Language erfüllt alle Voraussetzungen, eine domänen-spezifische Sprache auf ihren Schultern zu entwickeln. In WL ist alles ein Ausdruck. Ausdrücke können in beliebiger Verschachtelung zu neuem komponiert werden. So haben wir die UnRisk Language auf der WL aufgebaut.

Aber, da ist noch etwas: Sprachen sind auch bestimmt von Diskursen, die uns helfen reales Verhalten, und Fragestellungen darüber, zu beschreiben. Logik zum Beispiel. Wenn-Dann Regeln, Prozeduren… Und wenn es für einen Diskurs wieder eine symbolische Repräsentation gibt, können wir so ziemlich „alles“, was modellierbar ist, programmieren.

Arbeitsfluss in Diskursen

„Gibt es für alle N ein K so, dass die Summe aller natürlichen Zahlen von 1 bis N gleich K ist?“….“Ja, K == N*(N+1)/2″…oder „Gibt es eine Steuer, so dass eine Gesamtökonomie in ihrer spezifischen Lafferkurve den Scheitelpunkt erreicht?“. Natürlich müssen schon die Fragestellungen in einer interpretierbaren Sprache formuliert sein. In einer symbolischen. zB der WL.

Eine Sprache der Politik

Ich habe keinen Zweifel, dass ein wichtiger Teil von Politik quantifiziert werden kann. Und dass sich ihre Phänomene, und Fragestellungen zu diesen, in einer symbolischen „Diskurssprache“ beschreiben lassen. Steuern, ein Bedingungsloses Grundeinkommen, die Vergabe von Semieigentum, Infrastrukurprojekte…und natürlich Geldpolitik, Wirtschaftspolitik, Arbeitspolitik… für bessere und nachvollziehbare Entscheidungen, Adaptivität, Optionalität… Sprachdesign ist ein besonders schwieriges Business… aber es kann von den bestehenden Sprachen einiges geerbt werden.

Mein Traum ist es, dass sich innovative Politiker und Fachexperten mit den besten Spachdesignern und Modellentwicklern zusammen setzen und einen überzeugenden Prototypen entwickeln… In der Steuerpolitik zum Beispiel. Ich bin sicher, die Ergebnisse würden viele völlig verblüffen,