Entdeckendes Lernen

Herbert Artikel

Bildung ist ein häufiger Zankapfel politischer Diskussion. Die Elitaristen wollen die Gesellschaft von oben ziehen und die Egalitaristen von unten drücken.

Wofür ist Schule?

Information? Wissen? Denken? Verantwortung? Kreativität? Problemlösen? Wohlverhalten? Anpassung? Belastbarkeit? Leistung? Engagement? Fleiß? Sozialverhalten? Fitness? Ethik?… Will die Gesellschaft künftige Führer, Wissenschaftler, Innovatoren, Präzisionsarbeiter… wie Sportler trainieren oder bei Lernern die Entscheidungskraft schärfen? Denkmaschinen oder Denker?

Aufhören, Träume zu zertrümmern

Kinder müssen ihre überlegenen Fähigkeiten der Neugier, grenzenlosen Interaktion und Organisation behalten dürften und lernen, ihre Schwächen im Erkennen von Einschränkungen sowie Gefahren abzubauen. Und, die Grundprinzipien des Lernens selbst lernen.

Kinder wurden in der frühen Zeit der Industriellen Revolution in die Schule geschickt, um zu verhindern, dass sie den Erwachsenen mit Hungerlöhnen die Jobs weg nehmen. Schule war Jobtraining für Fabrikarbeiter. In diesem Denken werden die natürliche Fähigkeiten von Lernern zertrümmert.

Schule muss aufhören, Lerner fix vorgegeben mathematische Abläufe trainieren zu lassen, die ihnen jede Freude an der Mathematik verderben, oder Tonnen von sinnentleerten Texten in ihre Köpf stopfen, um sie dann auf sinnerfassendes Lesen zu prüfen.

Was soll nun Schule sein?

Lernarrangements, die es Lernern ermöglichen, sich Denkprinzipien, Einsichten und Fähigkeiten anzueignen, die ihnen ein freies Leben in einer offenen und aufgeschlossenen Gesellschaft sichern. Soziales, ökonomisches, künstlerisches Denken lernen. Lernen an Probleme mit Vernunft, Skepsis und Kooperation heran zu gehen. Die Fähigkeit lernen, Dinge zu tun, ohne die Zurückweisung der Ergebnisse zu fürchten. Werden wir nur trainiert, systematisch und mechanisch zu agieren, werden wir von Maschinen und Computern abgelöst.

Entdeckendes Lernen

Es ist kaum zu glauben: die Erkenntnis, dass entdeckendes, konstruierendes Lernen bessere Resultate hervor bringt, ist Jahrzehnte her. Es waren Forscher der Didaktik der Mathematik.

Ausflug in die Didaktik der Mathematik

Der Constructionism ermöglicht ein problem-orientiertes Lernen, in welchem Lerner motiviert werden, reale Probleme zu lösen und das Gefühl bekommen, in ein Gebiet hinein zu wachsen. Ein Lernen, in welchem der Schwierigkeitsgrad mit den Fähigkeiten der Lerner im Gleichklang wächst. Ein Lernen, in welchem sie immer wieder checken können, wo sie stehen.

Bildung auf den Kopf stellen

Lerner-, statt Lehrer-zentriert. Teamlernen in der Schule – Onlineunterricht zu Hause. Freie Wahl aus weltweiten Onlinekursen. Individuelle Betreuung und Begleitung der Lerner. Individuelle Tests statt Standardprüfungen. Schule muss eine Stätte von Jugendkultur werden.

Idole, die wir unbedingt aufgeben müssen

Perfektion – Roboter sind perfekt
Kernkompetenz – Kompetenz ist eine industrielle Kategorie
Wettbewerb – Innovation benötigt viel mehr Kooperation
Frontalunterricht – er projiziert Standardwissen in die Köpfe vieler
Mentoren – sie fragen wenig und empfehlen viel
Tradition – das Klammern an die Ziele, Methoden und Technologien von gestern

Kritik – ist meist ein Vergleich mit den Standards von gestern

Politische Pfadsuche

Im Zeitalter der smarten verbundenen Dinge sind die smartesten Objekte nicht das singuläre Wissen und nicht einmal dessen Entdeckung. Auch nicht die smartesten Methoden und Technologien. Es ist das gesamte Netzwerk und der Austausch selbst. Wir müssen völlig neu lernen, wie wir die Arrangements dazu organisieren. Und das funktioniert nur evolutionär. Und so enttäuschend das ist, wir können nicht einmal viele Phasen überspringen. Wir müssen entdeckend lernen, wie wir entdeckendes Lernen entwickeln.