Einkommen oder Vermögen?

Herbert Artikel

unser-by-karl-artmann-2013-194747Es gibt wenige Begriffe, welche in der Politik so häufig und gewichtig verwendet werden. Bei der genauen Bestimmung von Einkommen und Vermögen in den Sozialrechten, Arbeitsrechten oder Steuerrechten kann es höllisch kompliziert werden. So kompliziert, dass Spezialisten davon leben.

Einkommen erzeugt Vermögen erzeugt Einkommen. Aber dazu ist mehr Kooperation nötig

Ist das so selbstverständlich? Dazu empfehle ich Eine archaische Wassergesellschaft.

Im Hinblick auf die Regeln ist Einkommen alles, was hereinkommt und Vermögen alles, was sich angesammelt hat. Zur Bemessung einer Steuer oder einer Transferzahlung. Einkommen fließt und Vermögen besteht. Einkommen ist Mittelherkunft und Vermögen ist Mittelverwendung. Ich beschränke mich auf drei Beobachtungsgruppen: Personen, Unternehmen und Gesamtökonomien Was sie wollen:

Personen wollen Einkommen

Auch unser Chilifabrikant. Er verfügt über ein Honorar als Geschäftsführer, Körperschaftseinkommen (eine Gewinnausschüttung), Kapitaleinkommen (Dividenden), Zinseinkommen (Renditen aus Finanzinstrumenten), Einkommen aus Mieten und allfällige Einkommen aus Transferzahlungen (Renten…). Diese Einkommenselemente werden unterschiedlich besteuert. Sein Vermögen umfasst Beteiligungsvermögen, Sachvermögen und Geldvermögen.

Seine Buchhalterin bezieht einen Lohn, Zinseinkommen, Transferzahlungen und sie verfügt über geringe Sachvermögen und Geldvermögen.

Der Chilifabrikant kann das Zusammenspiel beinahe aller Vermögenswerte und Einkommen selbst steuern. Wählt er ein geringes Honorar steigt die Gewinnausschüttung… beschließt er, nicht auszuschütten, steigt der Beteiligungswert… Erkannt Risiken optimieren… Hat er private Kredite zu tilgen, hat er die Chance die Tilgung zu beschleunigen oder sogar neue Schulden aufzunehmen.

Diese Flexibilität hat die Buchhalterin nicht. Könnte sie mehr Risiko nehmen? Wenn sie diese nicht beeinflussen kann, kann das fatal werden. Dazu ein Ausflug in die Portfolio-Theorie.

Unternehmen wollen Erträge

Einkommen von Unternehmen werden meist Erträge genannt. Die Chilifabrik erwirtschaftet folgende Erträge: Körperschaftserträge, Kapitalerträge, Zinserträge und Erträge aus Mieten. Ihr Vermögen umfasst Sachvermögen, Geldvermögen und Beteiligungsvermögen.

Obwohl die Begriffe ähnlich sind, sind die Dimensionen und Relationen von Einkommen von Personen und Unternehmen natürlich völlig unterschiedlich. Unternehmen müssen viel mehr umsetzen, um Erträge (Einkommen) zu erzielen.

Von dem was herein kommt, können Personen, zur Bemessung von Steuer, kaum Ausgaben gegen rechnen. Die Steuer auf Arbeit ist jedoch in den meisten Ökonomien die einzige, deren prozentuelle Bemessung progressiv berechnet wird.

Gesamtökonomien zählen zusammen

Gesamtökonomien sind „Identitätseinheiten“, deren Beobachtung im Hinblick auf ihre ökonomischen Aktivitäten von Interesse ist, üblicherweise Staaten. Eines der Maße einer Gesamtrechnung ist das BIP (Bruttoinlandsprodukt). Es gibt drei Möglichkeiten, es zu errechnen:

Wie ist es entstanden: Der summierte Wert über alle Güter. Wie ist es verteilt: Die summierten Personen- und Unternehmenseinkommen. Wie wird es verwendet: Konsum + Investitionen + Staatsausgaben + (Export – Import).

Staatsausgaben sind Gegenstand hitziger, ideologischer Diskussion: schlanker oder fetter Staat? Ich glaube, es ist wichtig, die Kosten für staatlichen Konsum und seinem Eigenverbrauch in Beziehung zu setzen. Aber dafür ist die Betrachtung des BIP wenig geeignet. Es muss uns interessieren, wie der Staat den Wohlstandstopf managt. Jenen Topf, für welchen die Finanzminister jährlich Budgetreden in den Parlamenten abhalten. Davon später.

In den nächsten Beiträgen werde ich kurz eine Unternehmenssteuerung in der Nussschale beschreiben und über mein Verständnis des Rufs eines Unternehmens.