Ein Fluss entsprang in der Industriellen Revolution

Herbert Artikel

Würden Ameisen so gute kollektive Entscheidungen treffen, wenn jede einzelne Ameise Menschenintelligenz hätte? Und umgekehrt: wie sehr schränkt ein sehr eng verbundenes System die lokale Intelligenz ein?

Es irritiert mich, wenn Linke die Probleme der post-industriellen Zeit mit Methoden gegen die Auswüchse der Industriellen Revolution bekämpfen wollen … und zum Beispiel immer noch die Würde der Sklavenarbeit predigen.

Ich habe deshalb ein Kapitel voran gestellt, welches den Wandel von Produkten und Produktion aus der technischen Sicht beschreibt und zeigt, wie sich Arbeit und Wirtschaft zunehmend in Koevolution entwickeln.

Vor der Industriellen Revolution wurde meist im Heim oder in kleinen Werkstätten gefertigt. Handwerker stellten mit einfachen Handwerkzeugen und Vorrichtungen individualisierte Produkte her. Die Industrialisierung veränderte alles radikal. Maschinen produzierten in Fabriken Massenware. Sie brachte neue Regime von Transport, Kommunikation und ein Bankwesen hervor.

Arbeit-und-Wirtschaft wurde zunehmend politisch, denn die Dinge eilen der sozio-ökonomischen Entwicklung aufgrund ihrer inneren und äusseren Eigenschaften immer voraus.

Der evolutionäre Entwicklungsfluss der Dinge

unser-by-karl-artmann-2016-111046MECHANISIERUNG. Mechanismen bildeten die Kraftquellen und erhöhten den Komfort der Dinge. Die ELEKTRIFIZIERUNG erweiterte ihre Funktionalität und ersetzte Mechanismen. Mit der COMPUTERISIERUNG wurde Dinge flexibel gesteuert. Es sind nicht mehr Hände die an Rädern drehen, nicht mehr Knöpfe, die Aktionen auslösen. Es sind flexible Programme. COGNITIZING macht sie intelligent und autonom und durch CONNECTION bilden sie intelligente Schwärme. An dieser Stelle zahlt sich ein kurzer Ausflug in die Geschichte der AI aus.

Jede dieser Phasen steigerte die Komplexität. Aber smarte, verbundene Systeme sind fundamental anders. Weil sie lokale und globale Intelligenz verbinden. Selbst fahrende Autos können in einem Informationsnetz so miteinander verbunden werden, dass sie, einem intelligenten Schwarm gleich, den Verkehr und die eigene Fahrt technisch und ökonomisch optimieren. Dabei werden sie jede Aktion in Reaktion auf das Verhalten andere Verkehrsteilnehmer und des Umfeldes durchführen.

Die Entwicklung von Risiko

Die wachsende Komplexität verändert das Risikoprofil. Wird ein komplexes System zu eng gekoppelt, kann es zum Monster werden, weil Komplexität heisst: es können unvorhersehbare Ereignisse eintreten. Und eng gekoppelt: es  ist nicht genügend Zeit etwa dagegen zu tun. Atomreaktoren sind komplex und eng gekoppelt. Mit bekanntem Risiko.

Die Entwicklung der Geschäfte

Selbstfahrende Autos, smarte, verbundene Bürohäuser, Maschinen, Operationssäle … Lernlabors, Handelssysteme …operieren in Koexistenz und entwickeln sich nach den Prinzipien von Koevolution. Sie werden deshalb nicht mehr von Spezialisten verkauft, sondern von System-Providern.

In solchen Regimen verschwimmen Begriffe wie Herkunft, Verwendung, Geben, Nehmen, Erzeugen, Nutzen und die Koevolution von Arbeit und Wirtschaft verändert Wert, Preis, Eigentum, Austausch, Nutzung, Markt, Geld … und Risiko … radikal. Ein Ausflug in Das Wunder von Koevolution empföhlen.

Politische Pfadsuche

Das Zusammenspiel von Arbeit und Wirtschaft erfährt durch die Entwicklung smarter, verbundener Dinge, Verfahren und Arbeitsweisen einen gewaltigen Sprung auf eine höhere Komplexitäts- und damit Risikoebene. Um Folgen besser abschätzen zu können, muss Politik mehr Qualifikationen in systemischem Risikomanagement erringen.

In den nächsten Beiträgen werde ich Ausflüge in die Künstliche Intelligenz (AI), Koevolution und das Risikomanagement anbieten. Das nächste Buchkapitel, das ich hier in mehreren Beiträgen vorstellen werde: Die Komplexität von Arbeit und Wirtschaft. Und dabei werde ich auf folgende Fragen los stürmen: Geld verdirbt alles? Wirtschaft ist entfesselte Gier? Der globale freie Markt fährt die Gesellschaft an die Wand?